| Thomas Draschan | www.draschan.com | |
| Viennale: "Ich bewege mich an der Grenze zum Unsinn" | ||
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Aus rund 30 Filmen montiert ist Thomas Draschans
achtminütige "Begegnung im Weltall", die am Freitag (24.10., 18.30
Uhr) im Rahmen des Viennale-Kurzfilmprogramms "Going Nowhere" im
Metro Kino uraufgeführt wird.
Wien(APA) - Vergleichsweise wenig Material für den österreichischen Filmemacher: Für seine elfminütigen "Metropolen des Leichtsinns", die auf der vergangenen Diagonale liefen, hat er sich immerhin aus gut 500 Filmen bedient. Mit der APA sprach Draschan unter anderem über den "subversiven Akt" der Verwendung von found footage und den "schrecklichen Begriff Experimentalfilm". "Ich mache ja keine Experimente. Ich weiß schon relativ genau, was ich tue. Man spricht ja auch nicht von Experimental-Schriftstellern." Auch "Avantgarde-Film" lässt der gebürtige Linzer, Jahrgang 1967 und Absolvent der Meisterklasse von Peter Kubelka an der Frankfurter Städelschule, nicht gelten: "Avantgarde gibt es nicht mehr seit den 20er Jahren. Ich bin ein Künstler, der Filme macht. Es geht um Film als Kunst, um den eigentlichen Film. Der amerikanische Filmemacher Gregory Markopoulos hat dafür den Begriff 'Film/Film' geprägt." "Begegnung im Weltall" - der Titel stammt von einem Holzschnitt von Edvard Munch, der zwei Liebende unter einem Sternenhimmel darstellt - zeigt einen stärker narrativen Ansatz als frühere Arbeiten Draschans. Es geht um das Ausgeliefertsein an sinistre Mächte. "Something strange is going on", identifizieren Astronauten da ein interessantes unbekanntes Objekt. Es hat lange Beine und trägt einen rosa Minirock. "Dass man da so ausgesetzt ist wie auf einem fremden Planeten und weiß nicht recht, was man tun soll - das ist ja auch so im wirklichen Leben", lacht Draschan. Frühere Filme wie "Metropolen des Leichtsinns" sind meist nach rein formalen Anschlüssen montiert, nach Bewegungen, Farben und Formen. Draschan dazu: "Mir geht es auch immer darum, über das Denkvermögen selber zu reflektieren: Man kann eben durch formale Griffe vollkommen disparates oder sinnloses Material, das von der Ästhetik her überhaupt nicht zusammen passt, vermeintlich sinnvoll zusammenfügen und umgekehrt. Ich bewege mich an der Grenze zum Unsinn." Der Ausgangspunkt, an dem sich Draschans Fantasie entzündete, war aber auch bei "Begegnung im Weltall" - noch vor der inhaltlichen Idee - das Material an sich. In diesem Fall Super 8-Filme mit Zwischen- oder Untertiteln. "Ich habe zuerst die Untertitel zusammen geschrieben und geschaut, was ich an Aussagen habe, und dann beim Durchkurbeln des anderen Materials gesucht, was dazu passen könnte. So ist eine Geschichte entstanden." Filme so zu verdichten, dass sie sich erst nach mehrmaligem Anschauen erschließen oder zumindest nicht abnutzen, ist ein Grundsatz der Kubelka-Schule. Die Herstellung der aufwändigen "Metropolen des Leichtsinns" haben Draschan allerdings "bis an die Grenzen gefordert". "Das hat unglaublich viel Zeit, Energie und mein letztes Geld gekostet. Und dann wollte den Film erst kein Kopierwerk kopieren, weil er so viele Klebestellen hat und das Material so spröde war. So etwas will ich mir eigentlich nicht so schnell wieder antun." Das Material für seine Montagen ersteigert Draschan vorwiegend übers Internet. "Das stapelt sich dann in meinem Zimmer. In Frankfurt war dann für mich selbst schon überhaupt kein Platz mehr." Nicht zuletzt deshalb ist er vor zwei Monaten wieder zurück nach Wien gezogen, wo die Mieten billiger sind. Die für ihn interessanten Teile der Filme schneidet er aus und ordnet sie nach Motiven ('Türen öffnen', 'Türen schließen', 'Mädchen', 'Vorspann' etc.) auf Rollen. Die ausgemusterten Filme werden gelagert - in Frankfurt ist noch ein ganzer Keller voll davon. Und wie sieht es mit den Rechten für das verwendete Material aus? "Ich bin ein Verbrecher. Ich habe überhaupt keine Rechte an dem Material", gesteht Draschan freimütig - "Wo kein Kläger, da kein Richter." Außerdem ist das Verwenden von found footage für ihn ein "subversiver Akt" gegen eine Filmindustrie, deren Produkte nur dazu hergestellt würden, "um Popcorn zu verkaufen oder im Fernsehen die Zeit zwischen den Werbeblöcken auszufüllen". "In der ganzen Kunstgeschichte war es völlig normal, dass Schüler einen Meister kopiert haben. Nur aus kommerziellen Gründen wird das heute so rigide bewertet." "Begegnung im Weltall" wurde von Amour Fou produziert. Die Senkrechtstarter der Wiener Filmszene bringen auch die Fortsetzung des Streifens, "Slaves to Sin", heraus. Und ein größeres 35-Millimeter-Projekt mit dem Titel "Endless Suspense" - "diesmal mit absolut geklärten Rechten" - ist gerade in der Finanzierungsphase. Über mangelnde internationale Aufmerksamkeit kann Draschan sich nicht beklagen. Er ist auf allen wichtigen Festivals vertreten. "Begegnung im Weltall" etwa läuft im Anschluss an die Viennale beim renommierten London Film Festival und bei der International Experimental Cinema Exposition TIE in Colorado, USA. Geld allerdings bringen die Festivaleinsätze keines - im Gegenteil. Einnahmen bringen zum Teil Verleiher oder Auszeichnungen wie der Hessische Filmpreis, den Draschan jüngst für den Kurzfilm "To the Happy Few" eingestreift hat. Zwei Jahre lang war er außerdem Geschäftsführer des Hessischen Filmbüros, das das Frankfurter Filmfestival ausrichtet. Darüber hinaus organisiert er Veranstaltungen und Filmschauen, etwa in der Fondazione Morra in Neapel, wo auch ein Studienzentrum für Experimentalfilm entstehen soll. Seit drei Jahren arbeitet er zudem an einem "Best of"-Archiv von Arbeiten ehemaliger Kubelka-Studenten. 30.000 Euro hat er dafür aufgetrieben, die Hälfte der Filme ist bis jetzt gesichert. An der Städelschule, wo auch Hermann Nitsch unterrichtete, hat Draschan übrigens nicht nur Filmemachen gelernt, sondern auch Kochen - für Kubelka die älteste und grundlegendste Kunstgattung der Menschheit: "Es geht ihm dabei um das Handwerkliche, das Prozesshafte und die Überprüfbarkeit der Leistung: 'Wenn ein Schweinsbraten angebrannt ist, kann man ihn nicht gut diskutieren', war ein stehender Satz." Kubelka hat in Frankfurt auch eine Mensa eingerichtet, in der nach seinen Prinzipien - unverfälschte regionale Küche - gekocht wird. Dass die Aufnahmeprüfung für die Filmklasse aus Zwiebelschneiden besteht, ist allerdings ein typisches Gericht der Wiener Gerüchteküche. Bei der Viennale stellt Draschan übrigens eine weitere Fertigkeit unter Beweis: Als DJ steuert er zum Musik-Film-Event "Home" am Dienstag (28.10., ab 22 Uhr) in der Viennale-Zentrale in der Urania Soundtracks aus seinen Filmen bei. (Das Gespräch führte Birgit Lehner/APA) |
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