Thomas Draschan print www.draschan.com
Franziska
    Franziska ist das betörende Ergebnis einer perversen Handwerkerei: Draschan zerschnippselte eine in einem Stück gefilmte, dreiminütige Aufnahme in ihre sämtlichen Einzelteile, das sind 3240 Bilder, um diese dann - in derselben Reihenfolge wieder aneinanderzufügen! Jedoch - "pervers" muß nicht "verrückt" bedeuten - unterscheidet sich die Reanimation dennoch so grundlegend von ihrem Ausgangsmaterial, daß dieser Differenz ganz ungeheure, ja beglückend paradoxe Spannungen entspringen.
Franziska ist ein handgemachtes Blow-up: Einzelne Super-8-Kader sind in aus 16mm-Schwarzfilm herausgeschnittene Fenster eingeklebt. Die in weißen Löchern haltlos schwebenden Bilder zucken und zittern aufgrund von Unregelmäßigkeiten in der Handarbeit ebenso unaufhörlich wie der sie umgebende schwarze Rahmen.
 back
    Darüber lagert sich der Rhythmus der Maschine, den Draschan durch ein Alternieren von Bild / Nichtbild hervorgehoben hat. Dieses Flickern wiederum zerhackt zwar in jedem Moment brutal das Kontinuum der ruhig fließenden Ausgangseinstellung, bewirkt aber gleichzeitig die sanfte zeitliche Dehnung menschlicher Bewegungen im Bild. Räume und Zeiten sind faszinierend ineinandergeschachtelt in verschiedenen Rahmungen und sich reibenden Bewegungsabläufen. Trotz alldem mag man versucht sein, sich an der delikaten Illusion im Zentrum, an der Spiegelung in einem Fenster der seelenruhig kaffeetrinkenden Titelheldin zu ergötzen und sich dabei gestört wähnen durch die Raserei der aufgeschlitzten Sekundenbruchteile drumherum, bis man gewahr wird, daß Franziskas Antlitz selbst unaufhörlich hüpft und springt, daß es pulsierendes Leben ist in konzentrierter Form, welches Franziska darstellt und welches mit all seinen einander widerstrebenden Energien jeden Moment auseinanderzufliegen droht, was es im Film dann, auf seine Weise, sachte und brachial, gegen Ende auch tut. (Thomas Korschil)  top